Freitag, 29. März 2013

Kuba oder nicht Kuba, das ist hier die Frage...

Immer wieder erreichen mich Fragen von Anfängern, die sich oft gestalten wie folgt:

  • Aber "richtige" Zigarren sind doch aus Kuba oder?
  • Kubanische Zigarren sind die Besten oder?
  • Nur eine Kubanische Zigarre ist wirklich gut oder?

Nun von einem Anfänger erwartet man sich so etwas immer wieder, denn um Kuba drehen sich ja viele Mythen und viele sieht man mit Ché T-Shirts die nicht einmal wissen, wer der Mann war...
Aber auch unter geübten Aficionados findet man immer wieder lustige Leute. So saß ich unlängst in einem Cafe, eines der wenigen die Zigarren erlauben, und genoss eine sehr schöne Joya de Nicaragua Antano (Anmerkung: Vorsicht liebe Anfänger die ist SEHR stark) Figuarado, als ein älterer Herr sich meinem Platz näher und sich freundlich vorstellt. Er fragt mich dann sogleich welche Habano ich hier rauche und ob er sich zu mir gesellen darf. Ich biete ihm natürlich gerne einen Platz an und muss ihm dann aber leider mitteilen: "Es ist keine Habano, es ist eine Joya de Nicaragua aus eben diesem Land." Der Herr rümpft die Nase, steckt sich eine RyJ Mille Fleur an und beginnt zu argumentieren, dass nur Kuba echte Zigarren macht die seiner Zeit wert sind. Zudem sind nur Kubanische wirklich "stark".
Ich habe mich dann höflich aus dem Gespräch verabschiedet, denn ich musste dringend was erledigen...
Denn nicht nur in der Stärke hätte ihn meine Joya de Nicaragua vermutlich aus den Socken geblasen, sondern auch im Aroma kommt keine Mille Fleur an die Dame aus Nicaragua heran. Natürlich gibt es auch aus Kuba vergleichbare Zigarren, aber man möge entschuldigen die RyJ Mille Fleur gehört nicht dazu.

Woher kommt das also?
Nun es ist unbestritten, dass die Zigarre in Kuba eine der längsten Traditionen hat und das Marketing sich wörtlich über Jahrhunderte so festgezogen hat. Die Spanischen und Englischen Importeure die die teure Fracht mit ihren Segelschiffen aus Kuba holten, wollten ja auch einiges an Geld dafür.
Die gesamte Industrie in Kuba ist auf die Zigarrenproduktion ausgerichtet und das Klima und auch der Boden passen perfekt für die Zucht von Tabakpflanzen. Somit ist also auch die Vorgabe quasi perfekt.
Hinzu kommt, dass zu Beginn der Produktion aus anderen Ländern oft nur Billigprodukte mit zweifelhafter Qualität geliefert wurden und somit Kuba seine Vormachtstellung ausbauen konnte.

Also stimmt es? Nur Kuba!

Nein und zwar ein definitives Nein.
Gerade seit dem US Embargo über Kuba hat, angetrieben durch US Aficionados, die Industrie in anderen Ländern einen großen Schwenk vollzogen. So wurden in der Dominikanischen Republik, Nicaragua und Honduras (aber auch in anderen Ländern) Zigarrenfabriken gebaut, die ebenso in der Kubanischen Tradition Zigarren rollen (totalamente a mano) und teilweise in der Fertigungsqualität sogar noch besser sind. Durch die Verwendung von Kubanischem Saatgut und einer ähnlich guten Lage von Klima und Boden, sind diese Tabake teilweise genauso stark und reich an Aroma. In vielen blinden Tests von Zeitschriften wie Cigar Aficionado haben nicht Kubanische diese Tests gewonnen.
Hinzu kommt, dass gerade Kubanische Zigarren auch immer wieder starke Qualitätsschwankungen haben. Ich hatte auch schon eine Cohiba Behike die fast unrauchbar war, gut die nimmt der Händler meist zurück, aber bei 30 Euro sollte das nicht vorkommen. Andererseits hatte ich bei manchen Marken die nicht aus Kuba kommen nicht einen einzigen Ausfall.

Was stimmt also?

Es stimmt, dass aus Kuba hervorragende Zigarren kommen, aber auch genau so auch schlechte Zigarren. Es stimmt, dass viele hochwertige Zigarren aus Kuba eine sehr einzigartige Komposition an Aromen haben und durchwegs komplex sind. Es stimmt aber auch, dass vieles nur Marketing ist und bei weitem nicht jede Kubanische Zigarre diese Merkmale aufweist.
Es stimmt, dass andere Länder Zigarren erzeugen die von der Qualität gleich auf mit Kubanischen oder teilweise besser sind. Es stimmt das auch aus anderen Ländern viel "Mist" kommt. Es stimmt aber auch, dass auch aus anderen Ländern hervorragende Zigarren mit komplexen Aromen und angenehmer Stärke kommen.

Was soll man also tun?

Nun ich kann nur von mir sprechen. Ich würde mir blöd vorkommen, wenn ich mir den Genuss von Zigarren aus anderen Ländern vorenthalten würde auf Basis von Snobismus. Meine Humidore sind grob im Überblick 50% Kuba und 50% non-Kuba Zigarren, wobei die Tendenz grade bei non-Kuba stark im steigen ist. Ich glaube ich hätte auch kein Problem damit in den USA zu wohnen und gänzlich auf Kubanische zu verzichten, wenn ich dafür die riesige Auswahl an Zigarren anderer Länder hätte die man dort findet. Aber ich liebe einfach die Abwechslung in meinen Genüssen. Es gibt halt auch Leute die jeden Tag Sachertorte essen können, ich gehöre da nicht dazu, ich will die Abwechslung. Ich trinke ja auch gerne Weine aus aller Welt, denn es kommen super Weine aus Frankreich, aber auch aus anderen Ländern,... Daher lieber Leser entscheide selber, aber bitte geht offen und ohne Vorurteile an diese Entscheidung.



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